Painting of Thomas Couture in the Musée d'Orsay, Paris (GFDL)

FDP und Westerwelle – Biedermann und Brandstifter

Und noch ein Beitrag von mir auf dem Blog der Grünen NRW:

In dem 1958 uraufgeführten Schauspiel „Biedermann und die Brandstifter“ zeichnet Max Frisch das Portrait des Kleinbürgers und Opportunisten Gottlieb Biedermann. Dieser beherbergt den Hausierer Schmitz auf seinem Dachboden und erkennt relativ schnell, dass er und sein Kumpan in seinem Haus Feuer legen werden. Willensschwach und ängstlich ist Biedermann jedoch nicht fähig, den Pyromanen Einhalt zu gebieten. Er und seine Frau kommen in dem Hausbrand um. Das Feuer greift auf die Nachbarhäuser über und die gesamte Stadt brennt ab.

Anno 2010 schickt sich die FDP an, das Drama auf ihre ganz eigene Art zu interpretieren: Sie führt einfach beide Hauptrollen in ihrem Politikstil zusammen. Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zur Berechnung der Hartz IV-Regelsätze war vom jetzigen Bundesaußenminister und FDP-Chef Guido Westerwelle zu lesen, die Debatte nach dem Urteil habe „sozialistische Züge“ und eine Anhebung der Regelsätze wäre mit „spätrömischer Dekadenz“ vergleichbar. Damit stiftet er bewusst den Brand einer Neiddebatte, die am eigentlichen Kern des Urteils völlig vorbei geht – nämlich der Frage nach Menschenwürde und Teilhabe in unserer Gesellschaft für jede Bürgerin und jeden Bürger.

Westerwelles Leistungsethos beschränkt sich offenbar auf Hotelmogule und Inhaber einer privaten Krankenversicherung, sonst hätte er zur Kenntnis genommen, dass es auch in Deutschland zum Beispiel working poor gibt, die trotz harter Arbeit von Armut bedroht sind und die auf ergänzende staatliche Leistungen angewiesen sind. Doch wie soll dies auch jemanden erreichen, der nicht erst seit jetzt von der Lebensrealität vieler Menschen abgekoppelt ist.

Falls die FDP auch erkannt haben sollte, dass soziale Spaltung eine Realität ist, könnte sie ja einen Gesetzesentwurf für flächendeckende Mindestlöhne in den Bundestag einbringen. Oder die Hartz IV-Regelsätze erhöhen. Oder eine elternunabhängige Kindergrundsicherung einführen. Stattdessen schauen sie zu und hoffen, dass ihr brandstiftendes Zugpferd es schon richtig machen werde. Allein der wahlkämpfende FDP-Vize Andreas Pinkwart meldete sich zu Wort – jedoch nicht, um Westerwelles Gedankengut zu kritisieren, sondern mit der Aufforderung, Verantwortung innerhalb der Partei zu teilen.

Zur Ehrenrettung von Gottlieb Biedermann sei übrigens erwähnt, dass dieser eher aus Naivität, Feigheit und Dummheit – also unbewusst – die Brandlegung ermöglicht. Die Politik des marktradikalen Fundamentalismus lässt indes eher den Schluss zu, dass Ausgrenzung und Beschämung von Schwächeren bei der FDP System haben.

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2 Kommentare

  1. Sven

    Hey,

    Danke!! Die Page ist noch immer im Aufbau, es fehlt noch etwas Feinschliff.

    Danke für die netten Wünsche, wir sehen uns nächste Woche im schönen Bielefeld! 🙂

    lg Sven.