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Kinder im Fokus: Kindergrundsicherung statt Familiensplitting!

Donnerstag, 13. September 2012

Debattenbeitrag von Katja Dörner MdB, kinder- und familienpolitische Sprecherin GRÜNE im Bundestag, und mir:

 

Nicht nur der Sommer ist endlich heiß, sondern auch die aktuelle Debatte um die Ausweitung des Ehegattensplittings auf eingetragene Lebenspartnerschaften. Heterosexuelle und homosexuelle Paare müssen steuerlich endlich gleich behandelt werden – für diese Selbstverständlichkeit setzen sich Grüne seit jeher mit Verve ein. Aber kann „Ehegatten-Splitting für alle“ der Weisheit letzter Schluss sein? Wohl kaum! Denn die Nachteile des 1958 eingeführten Ehegatten-Splittings, das jährlich zu Mindereinnahmen im Bundeshaushalt von rund 21 Milliarden Euro führt, liegen auf der Hand. Das Ehegatten-Splitting fördert den Trauschein unabhängig davon, ob überhaupt Kinder vorhanden sind. Es begünstigt unverhältnismäßig Ehen, in denen ein Partner alleine viel verdient, und setzt damit Anreize vor allem für Frauen, aus dem Erwerbsleben auszuscheiden, Altersarmut inklusive. Unverheiratete Eltern gehen beim Ehegatten-Splitting sowieso leer aus. Fakt ist: Das Alleinernährer-Modell hat in Deutschland ausgedient. Deshalb muss auch das Ehegatten-Splitting mit seinen falschen Anreizen endlich verschwinden. 

In der Diskussion um die Zukunft des Ehegatten-Splittings hat sich der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel für die Umwandlung in ein Familien-Splitting ausgesprochen. Familien-Splitting: Das klingt erst mal gut, denn es würde nicht mehr bloß der Trauschein steuerlich begünstigt. Aber, Vorsicht an der Bahnsteigkante: Die weiteren, gravierenden Tücken des Ehegatten-Splittings würden gerade nicht beseitigt, sondern fleißig fortgeschrieben. Denn: Auch ein Familien-Splitting unterstützt das Alleinernährer-Modell und befördert gerade nicht eine eigenständige Existenzsicherung. Weiterhin bleiben unverheiratete Eltern unberücksichtigt und es würde zudem Familien mit hohem Einkommen überproportional zu Gute kommen. Die Formel hinter dem Familien-Splitting ist einfach und ungerecht: Je höher das Einkommen, desto höher der Steuervorteil – bei gleicher Kinderanzahl. Wem es also ernst damit ist, in Deutschland endlich Kinder und Familien finanziell gut und gerecht zu unterstützen und wirkungsvoll gegen Kinderarmut vorzugehen, der kann nicht für ein Familien-Splitting plädieren.

Die aktuelle Kritik am Ehegatten-Splitting sollte für einen radikaleren Schritt genutzt werden. Das Ziel muss sein, die Förderung von Kindern und Familie endlich vom Kopf auf die Füße zu stellen. Die Ungerechtigkeit, dass über das Steuersystem Familien mit hohem Einkommen überdurchschnittlich profitieren und Familien mit niedrigem Einkommen oder im Bezug von Sozialleistungen in die Röhre gucken, muss ein Ende haben. Kinder reicher Eltern dürfen unserem Staat nicht länger mehr wert sein als andere. Deswegen muss das Ehegatten-Splitting abgeschmolzen und in eine Individualbesteuerung mit übertragbarem Höchstbetrag überführt werden. Denn nur so entstehen Mehreinnahmen im Bundeshaushalt von rund 14 Milliarden Euro, die konsequent zur Förderung von Kindern und Familien investiert werden können und müssen. Dabei dürfen Investitionen in die Infrastruktur, in Kitas und Schulen, nicht gegen direkte finanzielle Transfers ausgespielt werden – beides ist notwendig, um mehr Chancengleichheit zu schaffen und Kindern ein gutes Aufwachsen zu ermöglichen. Die grüne Antwort auf Sigmar Gabriels Familien-Splitting muss daher Individualbesteuerung plus Kindergrundsicherung lauten. Die Kindergrundsicherung, die für alle Kinder gleich hoch ist, ist keine zusätzliche Sozialleistung. Vielmehr fasst sie bestehende Steuerfreibeträge für Kinder, Kindergeld und Kinderzuschlag zu einer Leistung zusammen. So kann echte Förderung von Familien mit Kindern und die Bekämpfung von Kinderarmut gelingen sowie ein Meilenstein für eine eigenständige Existenzsicherung gesetzt werden.

Gemeinsam gegen das Patriarchat kämpfen!

Mittwoch, 4. Mai 2011

Neulich beschwor unsere “Frauen”ministerin Kristina Schröder in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung mal wieder ihr anti-feministisches Frauen- und Gesellschaftsbild. Unter dem Deckmantel einer vermeintlichen Männerpolitik rief sie das “Ende vom Kampf der Geschlechter” aus. Das schreit nach einer Replik! – Die haben mein Grüner Kollege Sven-Christian Kindler MdB und ich verfasst und der feministische Blog Frau Lila hat ihn als Debattenbeitrag veröffentlicht:

Kristina Schröder ist jetzt seit gut anderthalb Jahren Ministerin für Frauen. Jedenfalls auf dem Papier. Ihr Amt scheint ihr fast peinlich zu sein. Dieser Eindruck drängt sich jedenfalls auf. Ihre offensichtliche Untätigkeit in der Frauenpolitik grenzt an Arbeitsverweigerung. Stattdessen profiliert sich die konservative Hessin als Anti-Feministin, indem sie gegen Feministinnen und „Vertreterinnen des gleichstellungspolitischen Mainstreams“ holzt. Erneut hat sie ihre verqueren Vorstellungen von „Gleichstellungspolitik“ in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung öffentlich ausgebreitet. Die Bundesfrauenministerin fordert den „Abschied vom Kampf der Geschlechter“ und rückt die Männerpolitik in den Blickpunkt.

Das Patriarchat ist noch lange nicht besiegt
Doch was heißt das konkret? Während viel zu lange Kinderbetreuung als reine Frauenaufgabe betrachtet worden ist, gehen jetzt inzwischen immerhin 23 Prozent der jungen Väter zumindest für zwei Monate in Elternzeit. Immer weniger Männer haben Lust, nur Helden der Arbeit und als Alleinverdiener Haupternährer einer Familie zu sein. Ja, viele Männer wollen weniger Leistungsdruck und mehr wertvolle Zeit für Freunde, Familie und, gesellschaftliches Engagement. Es gibt aber auch immer noch viel zu viele Männer, die von den derzeitigen männlich dominierten Gesellschaftsverhältnissen profitieren. Männer in Führungsetagen und Politik, die gerne unter sich bleiben. Männer, die sich darauf verlassen, dass die Frau sich natürlich um die Kinder kümmert, falls die Familie keinen der immer noch knappen Betreuungsplätze bekommen hat. Oder aber Geschäftsführer, die es als selbstverständlich ansehen, nach 17 Uhr noch wichtige Meetings anzusetzen. Patriarchale Strukturen und Herrschaftsverhältnisse sind über Jahrtausende gewachsen, gefestigt und verteidigt worden und führen auch heute noch zur Vormachtstellung der Männer in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Das Patriarchat ist weiterhin quick lebendig, noch lange nicht besiegt und wird sich nicht kampflos verabschieden. Wer die gleichberechtigte Gesellschaft erreichen will, muss die männlich dominierte überwinden. Dafür müssen Feministinnen und emanzipierte Männer gemeinsam kämpfen.
Konflikte eingehen und Entscheidungen treffen
Dies wird nicht ohne Konflikte gehen. Diese Konflikte bestehen nicht zwangsläufig zwischen Frauen und Männern. Sie vollziehen sich zwischen den Nutznießern der aktuellen Geschlechterverhältnisse und denen, die sich schon von den noch vorherrschenden Rollenmustern verabschiedet haben. Die Nutznießer, und das sind vor allem Männer, werden ihre Privilegien nicht unter Jubelrufen abgeben. Dafür braucht es mehr als warme Worte und Selbstverpflichtungen. Es braucht Gesetze und eine Ministerin, die bereit ist, Entscheidungen zu treffen und diese durchzusetzen. Politik heißt gestalten. Kristina Schröder wäre in der Position, tatsächlich die Situation von Männern, die sich nicht mehr den gängigen Klischees unterordnen wollen, zu verbessern. Sie hätte die Macht, die Frauen, die ihre Potentiale nutzen wollen, zu unterstützen. Der Weg zu einer familienfreundlichen Arbeitskultur, zu Lohngerechtigkeit und einer gerechten Aufteilung von Erwerbs- und unbezahlter Arbeit ist aber noch lang. Bisher sind es immer noch Frauen, die den höchsten Anteil der Beschäftigten in Minijobs, im Niedriglohnsektor  und in unfreiwilliger Teilzeit stellen. Es sind Frauen, die lange Babypausen machen, weil KiTa-Plätze fehlen oder die KiTa nur halbtags geöffnet hat. Um dies zu ändern und auch die Männer zu stärken, die sich mehr Zeit für die Familie nehmen wollen, reicht es nicht, wenn sich die Familienministerin darauf beruft, dass sich die Arbeitskultur ändern muss. Die Diagnose ist richtig, aber mit warmen Worten ist es nicht getan. Die Ministerin könnte die Instrumente nutzen, um solche Veränderungen zu beschleunigen.


Das Elterngeld weiter entwickeln

Ein Ansatz ist das Elterngeld -eine Erfolgsgeschichte (bezeichnenderweise nicht von Frau Schröder, sondern ihren Vorgängerinnen durchgesetzt), die jetzt dank der Untätigkeit der Ministerin auf halben Wege steckenzubleiben droht. Es ist ein Armutszeugnis, wenn Frau Schröder sich von der Reform des Elterngeldes unter dem Vorwand des Haushaltsvorbehaltes verabschiedet. Sie könnte ja mal darüber nachdenken, ob auch im bestehenden Elterngeldzeitraum von maximal 14 Monaten Änderungen angesagt sind, ohne die Gesamtbezugsdauer zu verlängern und damit die Kosten in die Höhe zu treiben. Was spricht beispielsweise dagegen, aus der aktuellen 12+2-Regelung eine 10+4-Regelung oder bestenfalls eine 7+7-Regelung zu machen? Dann wäre es letztlich egal, ob einE ArbeitgeberIn einen Mann oder eine Frau einstellt. Frauen hätten endlich die gleichen Startbedingungen für ihre Karrieren und Männer würden nicht mehr schief angeschaut, wenn sie mehr als 2 Monate Elternzeit nehmen oder um 16 Uhr sagen „Sorry, ich kann heute Abend nicht am Meeting teilnehmen, ich muss mein Kind aus der KiTa abholen“.

Frauenquote statt wirkungslosen Selbstverpflichtungen
Ein zweites Instrument wäre eine verbindliche Aufsichtsratsquote. Um mehr Frauen den Weg in die Führungsetagen zu ebnen und etwas an der „Präsenzkultur“ zu ändern, wäre sie ein wichtiges Mittel, wie auch die Beispiele aus Norwegen oder Frankreich zeigen. Weil Kristina Schröder aber eigentlich gar nichts ändern will, hat sie sich eine „flexible Selbstverpflichtungsquote“ ausgedacht. Jedes Unternehmen soll für sich selbst eine Zielvorgabe festlegen, wie viele Frauen es in seiner Führung haben möchte, und diese dann erreichen. Dass hierdurch der Frauenanteil wenn überhaupt nur marginal gesteigert werden kann, zeigen die Erfahrungen der letzten 10 Jahre. Schröders Flexiquote ist ein Hohn und die Selbstaufgabe von Politik. So kommt die Gleichberechtigung nicht voran.

Verbandsklagerecht gegen Lohndiskriminierung
Für mehr Lohngerechtigkeit wäre ein flächendeckender Mindestlohn ein erster Schritt. Heute haben weder Frauen noch Männer wirksame Instrumente, um gegen diskriminierende Bezahlung effektiv vorzugehen. Denn wer traut sich schon, sich erstens zu erkundigen, wie viel die KollegInnen verdienen und zweitens mehr Geld vom Arbeitgeber einzuklagen? Selbst wenn die Klage Aussicht auf Erfolg hätte, ist es wahrscheinlich, dass über Umwege eine Kündigung bzw. die Nichtverlängerung eines befristeten Vertrags die Folge einer solchen Klage sein kann. Damit dieses Risiko nicht bei den einzelnen Frauen liegt, brauchen wir dringend ein Verbandsklagerecht für Gewerkschaften, Betriebs-und Personalräte und Gleichstellungsverbände. Das führt auch dazu, dass die Urteile dann für alle betroffenen Beschäftigten gelten und nicht nur für die Frau, die geklagt hat.
Und am wichtigsten ist vermutlich, die staatlichen Anreizsysteme zu ändern. Ehegattensplitting, kostenlose Mitversicherung und Witwenrente führen dazu, dass es häufig eine individuell rationale Entscheidung ist, als Mann zum Alleinernährer zu werden. Und als Frau nur Teilzeit zu arbeiten oder nur mit einem Minijob hinzu zu verdienen. Die geplante Herdprämie der Bundesregierung in Höhe von mehr als 2 Milliarden Euro jährlich gehört ebenso endgültig beerdigt. Das Geld und die Mehreinnahmen durch Veränderungen im Steuersystem könnten viel besser für den KiTa-Ausbau und die gezielte Unterstützung von Kindern ausgegeben werden.

Gemeinsam gegen den Schröderschen Anti-Feminismus
Um die Situation der Frauen zu verbessern, wie es Aufgabe einer Frauenministerin ist, gehört es auch dazu, die Männer zu unterstützen, die für eine geschlechtergerechte Zukunft streiten. Stattdessen versucht Kristina Schröder mit ihrer antifeministischen Kampfrhetorik einen Keil zwischen Männer und Frauen zu treiben. Der Kampf der Geschlechter ist nicht vorbei, er ist aber akzeptierter und moderner geworden. Jetzt kämpfen emanzipierte Frauen und Männer zunehmend gemeinsam gegen den Roll-Back in der Geschlechterpolitik.
Um die Rollenkorsette zu überwinden, die auch zum Nachteil der Männer sind, brauchen wir eine Politik, die Frauen fördert. Die nutzt dann auch emanzipierten Männern. Diese Politik, das ist klar, wird nicht von Kristina Schröder ausgehen. Ganz im Gegenteil. Emanzipierte Frauen und Männer werden es selbst in die Hand nehmen müssen: in der Wirtschaft, im alltäglichen Leben und auch und besonders in der Politik.

Selbstbestimmung und Wahlfreiheit für alle Familien!

Samstag, 18. Dezember 2010

Weihnachten – Zeit der Familie. Aber was ist Famlie eigentlich genau und wie wird Familie heute gelebt? Dazu habe ich den folgenden Beitrag im “Mach Et” veröffentlicht:

Familie ist… ja, was eigentlich?

Die geschiedene Mutter zweier Kinder, die zusammen mit ihrer Lebenspartnerin in einer WG lebt? Der Vater, der mit seinem Kind und seiner neuen Partnerin zusammen lebt und sich das Sorgerecht mit der leiblichen Mutter teilt? Unverheiratete Paare mit unerfülltem Kinderwunsch, die ärztlich assistierte Befruchtung in Betracht ziehen? Drei ältere Menschen in einer Alten-WG, die wiederum in einem Mehrgenerationenhaus liegt?

Fest steht: Familie ist vielfältiger denn je. Für uns Grüne ist Familie da, wo Kinder sind oder wo Menschen dauerhaft Verantwortung füreinander übernehmen. Das tun sie in vielfältigen Lebensbeziehungen: in Ehen, nicht-ehelichen Lebensgemeinschaften mit Kindern, Ein-Eltern-, Adoptiv- oder Pflegefamilien, Regenbogen- und Patchwork-Familien oder in familiären Netzwerken, die über Generationengrenzen hinweg auch Menschen ohne verwandtschaftliche Bindung einschließen. Alleinerziehende und nicht-eheliche Lebensgemeinschaften mit Kindern machen inzwischen 26% Prozent der Familien aus. In NRW wächst fast jedes dritte Kind in „alternativen“ Familienformen auf. 

Familie ist also bunt und vielfältig. Dies muss auch endlich in Recht und Gesetz vollzogen werden. Denn unsere Familien- und Kindschaftsrecht ist leider angestaubt wie vor anno dazumal. Sowohl die Bundesregierung wie auch das gesamte Familienrecht verfolgen ein Familienleitbild: das der verheirateten, heterosexuellen Ehe mit Kindern. Diesem Leitbild müssen sich alle anderen Familienformen mit ihren Rechten unterordnen. Damit müssen wir endlich Schluss machen. Politik hat sich nach der gelebten Vielfalt zu richten, sie hat kein Leitbild vorzugeben! Jedes Kind muss die gleichen Rechte auf staatliche Leistungen, auf Teilhabe, auf Schutz haben – ganz egal in welcher rechtlichen Konstellation die Eltern leben. Kinder in Patchwork-Familien mit mehr als zwei erwachsenen Bezugspersonen oder gar in Regenbogenfamilien mit gleichgeschlechtlichen Elternteilen werden rechtlich benachteiligt.

Wir brauchen eine rechtliche Anerkennung sozialer Elternschaft. Viele Kinder leben nach einer Trennung der leiblichen Eltern mit mehr als zwei erwachsenen Bezugspersonen, nämlich mit biologischen und sozialen Elternteilen. Diese „Mehrelternschaften“ müssen endlich rechtlich berücksichtigt werden. Bisher ist eine Anerkennung sozialer Elternschaft nur durch Adoption oder Pflegschaft möglich – zu Lasten des biologischen Elternteils. Dies geht zu Lasten der Kinder. Es ist ungerecht, wenn Elternteile, die täglich viel Zeit mit den Kindern verbringen, bei wichtigen Entscheidungen ausgeschlossen sind. Ziel muss es sein, Mehrelternschaften rechtlich anzuerkennen und eine faire Balance aus Rechten und Pflichten (Elterliche Sorge, Aufenthaltsbestimmung, Umgang, Unterhalt etc.) vertraglich zu vereinbaren. Der Familienvertrag als neues familienrechtliches Institut neben Ehe und Eingetragener Lebenspartnerschaft würde selbstbestimmte Verhältnisse für Eltern und Kinder schaffen.

Viele Paare möchten rechtliche Klarheit für sich und ihre Kinder – auch ohne die Ehe einzugehen. Gleiches gilt für unerfüllte Kinderwünsche. Wir müssen sowohl bei der Möglichkeit der Adoption wie auch beim Zugang zur Reproduktionsmedizin (künstliche Befruchtung) heterosexuelle Unverheiratete und gleichgeschlechtliche Lebenspaare mit der Ehe gleichstellen. Alles andere normiert eine bestimmte Lebensform – dies steht dem Staat nicht zu.

Im August hat das Bundesverfassungsgericht mit seinem Urteil zum Sorgerecht für Väter Bewegung ins Familienrecht gebracht. Nach der rechtlichen Anerkennung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften 2001 stehen wir jetzt hoffentlich am Anfang einer neuen Debatte in der Familienpolitik, die mit nichts weniger enden darf als mit der völligen Gleichstellung aller Familienformen und der Garantie, selbstbestimmt einen Lebensentwurf zu wählen.