Rede zum Antrag „Buchhandel und Verlage in Deutschland stärken!“
Am Freitag, den 06. November 2026, zu unserem Grünen Antrag „Buchhandel und Verlage in Deutschland stärken!“:
In dieser Woche ist die Woche der unabhängigen Buchhandlungen.
Wenn wir ein Buch lesen, dann ist das ja meist ein sehr stiller Akt.
Und doch beginnt er oft mit einer Begegnung: mit einer Buchhändlerin oder einem Buchhändler, mit der Frage nach einer Empfehlung
oder im Gespräch über eine Autorin oder einen Autor. Buchhandlungen sind mehr als Verkaufsorte. Sie sind Orte der Begegnung.
Sie sind die Seele unserer Innenstädte. Sie sind kulturell und gesellschaftlich unverzichtbar. Und sie leiden.
Steigende Gewerbemieten und Personalkosten und eine Machtkonzentration bei Online-Plattformen lassen immer mehr Buchläden sterben.
Deswegen möchte ich heute allen Buchhändlerinnen und -händlern danken: für ihre Leidenschaft, für ihre Beratung, für ihr Engagement.
Und ich möchte an alle appellieren: Bitte kauft bei kleinen Buchhandlungen!
Das ist aber nicht die einzige große Herausforderung, vor der die Buchbranche steht. Kleine Verlage schwinden. Bürokratie erschwert ihnen das Geschäft. Unregulierte Künstliche Intelligenz bedroht ganze Existenzen – etwa in der Übersetzung, im Lektorat oder im Layout. Um die Verlage in Deutschland nachhaltig zu stärken und ihre Vielfalt zu erhalten, müssen wir jetzt handeln. Wir brauchen eine strukturelle und unabhängige Förderung kleiner, unabhängiger Verlage. Denn die sichern die Vielfalt von Büchern und Perspektiven. Es ist toll, dass wir Preise für Buchhandlungen und Verlage haben, aber das ersetzt nicht eine verlässliche Förderung. Die Schweiz hat das vor ein paar Jahren eingeführt
und das mit großem Erfolg und daran sollten wir uns auch in Deutschland orientieren.
Zweitens: Wir müssen viel ernster nehmen, dass KI-Modelle großer Tech-Konzerne oft ohne Einverständnis und Vergütung mit den Werken von Autorinnen und Autoren trainiert werden. Wir brauchen hier europaweit ein robustes Urheberrecht – mit wirksamen Rechtevorbehalten, mit fairen Vergütungsmodellen, mit Transparenz über Trainingsdaten. Es muss gelten: Dein Wort, Deine Arbeit, Dein Geld, Dein Recht. Nur so wird Künstliche Intelligenz eine Chance für die Kultur – und kein Werkzeug zu ihrer Ausbeutung.
Drittens: Wir haben eine Lesekrise in Deutschland. Die jüngste Pisa-Studie zeigt, dass rund ein Drittel der 15-Jährigen Schwierigkeiten hat beim Erfassen eines Textes. Ohne Lesen ist aber alles Nichts. Nur wer Lesen kann, kann sich eine eigene Meinung bilden und etwas von der Welt erfahren. Deswegen brauchen wir eine nationale Kraftanstrengung zur Leseförderung, vor allem ab dem frühen Kindesalter. Und deswegen muss auch das Programm „Lesestart 1,2, 3“, bei dem über die Kinderärzte vielen Familien oft das erste Buch geschenkt wird, dieses wichtige Programm darf nicht gestrichen werden!
Die Aufgaben sind also groß. Doch beim Kulturstaatsminister ist nicht erkennbar, ob und wie er die Buchbranche stärken will, obwohl der Koalitionsvertrag das verspricht. Folgenlose Ankündigungen oder das neue „Literarische Wort des Jahres“ werden jedenfalls nicht helfen.
Und auch nicht, dass Buchhandlungen und Verlage weiterhin jederzeit damit rechnen müssen, vom Verfassungsschutz durchleuchtet zu werden, wenn der Bundesregierung ihre politische Ausrichtung nicht passt. Diese Praxis des Haber-Verfahrens hat in der Kulturförderung nichts zu suchen!
Wenn wir die Stärke und die Vielfalt von Büchern, Buchhandlungen und Verlagen sichern wollen,
dann müssen wir jetzt handeln. Unser Antrag ist ein Vorschlag, genau das zu tun.
