Statement zur Berlinale und Tricia Tuttle

26. Februar 2026

Zur aktuellen Debatte um die Berlinale und ihre Leiterin Tricia Tuttle erklärt Sven Lehmann MdB, Vorsitzender des Ausschusses für Kultur und Medien im Deutschen Bundestag:

„Sollte Tricia Tuttle als Berlinale-Leiterin gehen müssen, wäre das nicht nur ein Schaden für die Berlinale, sondern ein Desaster für die deutsche Kulturpolitik.

Der ganze Vorgang ist eine einzige Zumutung. Tricia Tuttle hat in den vergangenen zwei Jahren für ihre künstlerische Leitung international viel Anerkennung erfahren. Sie hat die Berlinale spürbar programmatisch erneuert, ihr internationales Profil geschärft und junge Stimmen gestärkt. Die Berlinale ist das größte Publikumsfestival der Welt.

Die Internationalen Filmfestspiele Berlin leben von der künstlerischen Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Perspektiven und politischen Haltungen. Im Programm der Berlinale treffen diese verschiedenen Positionen aufeinander, neue Erzählweisen werden gefunden und gesellschaftliche Konflikte sichtbar gemacht. Genau das ist die Seele des Kinos und der Kunst. Die Berlinale leidet aber derzeit unter politischem Bekenntniszwang.

Gerade von Kulturstaatsminister Weimer, der immer wieder von Meinungsfreiheit spricht, erwarte ich, dass er sich hinter die Berlinale-Leitung stellt. Er muss die Unabhängigkeit der Berlinale verteidigen und jeglichen Eindruck staatlicher Einflussnahme vermeiden.

Wer nach jeder Kontroverse mit personellen Konsequenzen droht, ersetzt Diskurs durch Kontrolle. Kultur lebt von Austausch, nicht von Einschüchterung.“